Ein Jahr nach der “Querdenken” Demo im vorigen Jahr mit 40.000 Teilnehmern rief die “Bewegung Leipzig” erneut zum Protest gegen Corona-Maßnahmen und Grundrechtseinschränkungen auf. Dies sorgte natürlich im Leipziger Rathaus und vor allem beim Leipziger OB Jung (SPD) für ordentlich Unruhe. Auflagen mussten her: maximal 1000 Demoteilnehmer auf dem Augustusplatz seinen erlaubt und ein Protestmarsch über den Ring untersagt, so die Stadt Leipzig. Als Rechtsgrundlage musste eine scheinbar aus dem Ärmel geschüttete Kalkulation der Intensivbettenbelegung herhalten. Eine andere Begründung war scheinbar auch nicht möglich, da die neue 2G-Regel in Sachsen erst am Montag darauf in Kraft trat.

Am gleichen Tag war es im übrigen kein Problem, Fußball in Leipzig vor 40.000 (!) Fans zu spielen. Der Virus muss sich dort und auch in den rings um den Augustusplatz befindlichen Einkaufspassagen, in denen sich tausende Konsumhungrige dicht an dicht und ohne Maske drängten, gänzlich anders verhalten als auf den Demos frei denkender Menschen. Man setzte also schon wieder einmal im Vorfeld auf Einschüchterung und eventuell auch auf unschöne Bilder. Das man nun auch in unmittelbarer Nähe eine DGB-Demo genehmigte zeigte weiteres Kalkül.

Gegen 13.00 Uhr kam nun auch der Autor dieser Zeilen auf dem Augustusplatz an. Der Käfig in Form von “Hamburger Gittern” für die zähneknirschend geduldeten 1000 stand, Polizei weit und breit (NRW, Berlin, Sachsen, Niedersachsen und sicher noch viele andere). Auch die Antifa trank sich bereits auf der Fläche der Gegendemo vom DGB warm. Pünktlich zu 15.00 Uhr war der Platz dann gut gefüllt. Dem Protestaufruf folgten wieder zig Tausende: viele Paare, Frauen, viele über 40, 50 – friedlich aber bestimmt! Auf Krawall gebürstete Nazis – Fehlanzeige!

Da stachen wohl eher die Flaggen der Gruppierung “Freie Linke” ins Auge. Das immer mehr echte Linke den Protesten beiwohnen, wird man durch den Mainstream wohl kaum erfahren. Sie ließen sich weder von der nun scheinbar sichtlich nervös werdenden Polizei noch von der sich in Extase brüllenden Antifa triggern. Schon erstaunlich, wie ein typischer Gewerkschaftler im Jahr 2021 ausschaut: 14-20, komplett in schwarz, natürlich vermummt und mit einem Wortschatz, der sich scheinbar auf weniger als 10 Wörter beschränkt. “Alerta, Alerta”, “wir impfen euch alle” und “nie wieder Deutschland” – für mehr reichte es dort wieder einmal nicht und auch die Vortänzer des DGB begnügten sich dann im lautstarken Abdudeln alter “Hosen” Songs. Vielleicht sollte der DGB dann endlich mal das “D” aus seinem Namen streichen um den neuen “Mitgliedern” gerecht zu werden.

Spätestens nach 16.00 Uhr wirkten die Einsatzkräfte überfordert und man versuchte die Demoteilnehmer mehr und mehr einzukesseln und agierte teils mit sinnloser Gewalt. Absprachen untereinander gab es wohl kaum. Verständliche Lautsprecherdurchsagen – Fehlanzeige! Dass man dann auf einmal “Teilnehmer einer illegalen Versammlung” sein sollte, weil man außerhalb des Käfigs für die 1000 Teilnehmer stand wird wohl kaum jemand mitbekommen haben. So wurden auch Menschen aus der Einkaufspassage hereingelassen, aber nicht wieder vom Demogelände heraus. Mit dem Einkaufsbeutel in der Hand standen sie dann Face to Face zu den Wasserwerfern, die nun einrollten. Das muß eine ganz neue Demokratieerfahrung für die nun unfreiwilligen “Demoteilnehmer” gewesen sein. Auch ich fragte nach einem offiziellen Ausgang für diejenigen, die die Fläche nun verlassen wollten. An jeder Ecke gab es jedoch eine andere Aussage, die meist lautete: Ich weiß es doch auch nicht und warte auf Befehle!

Ja Befehle scheinen wieder sehr wichtig in der heutigen Zeit – gesunder Menschenverstand ist wohl nicht mehr gefragt. Die erste offizielle Passage zum Verlassen der Fläche wurde gleich wieder dicht gemacht, weil eine Antifagruppe kurzerhand eine Spontandemonstration angemeldet hatte und es dann angeblich zu gefährlich war, die Leute herauszulassen. Aufgrund einer langen Heimfahrt und einer grad bei den Frauen langsam drückenden Blase steigerte sich in nicht unberechtigter Weise auch die Wut bei manchen.

Es gibt nicht wenige Videos des Polizeieinsatzes und auch ich habe es gesehen, daß Beamte unwillkürlich immer wieder Reizgas einsetzten oder Menschen ohne Vorwarnung zu Boden brachten und verhafteten. Eine ältere Frau in meiner Nähe hatte plötzlich Reizgas im Gesicht – warum auch immer, ich war gerade abgelenkt und versteh bis jetzt nicht warum. Eine Szene bleibt sicher ganz tief haften: Ein scheinbar total auf Krawall gebürsteter Beamter rannte als erster einer Polizeikette plötzlich vor, um auf friedliche Leute mit einem Transparent einzuknüppeln und ihnen das Transparent zu entreißen. Der Kollege hinter ihm jedoch packte ihm am Kragen und hielt ihn davon ab. Scheinbar hatte dieser noch etwas Courage. Nachdem nun 3 Wasserwerfer gegen die Menge in Stellung gebracht wurden (immer noch keine verständlichen Durchsagen und Erklärung der Situation durch die Polizei) rannte eine Polizeikette wohl dummerweise plötzlich davon – der Weg in die Innenstadt war frei.

Das nutzten nun Tausende und auch ich, um diesem widerlichen Spiel der Staatsmacht zu entfliehen. Viele liefen in einem Zug durch die Innenstadt Richtung Richard-Wagner-Platz, wo es um 19.00 Uhr eine weitere genehmigte Demo der “Bürgerbewegung Leipzig” gab, einige wollten und mussten auch einfach gehen. Die letzten 600 dieses Zuges kesselte man dann letztendlich erneut ein und hielt sie stundenlang für eine simple Indentitätsfeststellung und einer eventuell folgenden Ordnungswidrigkeitenanzeige fest. So konnte man wenigstens die Schlagzeilen für die Presse des nächsten Tages sicherstellen: “600 Ordnungswidrigkeiten auf Querdenken Demo” titelte man am Folgetag. Das diese Ordnungswidrigkeiten letztendlich lediglich darin bestanden, die Demofläche wie durch die Polizei gewünscht zu verlassen und um an einer anderen genehmigten Demo teilzunehmen, wird der Leser der Mainstreammedien wohl kaum erfahren haben. Solche Zahlen braucht man eben für die 20.00 Uhr Tagesschau und damit der Michel gehörig bleibt und nicht auf den dummen Gedanken kommt sich selbst bei der nächsten Demo ein eigenes Bild zu machen oder gar daran teilzunehmen.

Es bleibt zu hoffen, dass mehr und mehr Leute dieses Treiben durchschauen. Der rote Bürgermeister Leipzigs tobte außer sich am nächsten Tag im Mainstream: “Nun ist die Maske endgültig gefallen! Spätestens seit gestern muss allen klar sein, dass die sogenannte Querdenker-Bewegung nicht nur die Begleitung von rechtsextremistischen Kreisen in Kauf nimmt, sondern sich kalkuliert gewalttätig unterstützen lässt …”

Nein Herr Jung – die Maske haben Sie und viele weitere schon vor langer Zeit abgenommen und wer das Grundrecht auf Meinungsfreiheit, das Demonstrationsrecht und das Recht über den eigenen Körper versucht einzuschränken oder gar gänzlich zu verbieten, sollte auch gefälligst das “D” aus sozialDemokratisch streichen und sich nur noch Sozialist – oder gleich Kommunist nennen und glücklich sein, das der Michel noch so geduldsam ist. Aus vielen anderen Ländern gibt es ganz andere Bilder von Anti-Maßnahmen Demos Herr Jung!

Am Ende bleiben für mich wieder viele Fragen und vor allem ein großes Kopfschütteln. Danke an die “Querdenker”, den einen oder anderen Beamten, mit dem man noch normal reden kann und denen scheinbar auch “Einsätze” dieser Art zu wieder sind. Danke auch an Karsten Hilse – leider einer der wenigen der AfD, der auch am Samstag in Leipzig Gesicht zeigte.


Wir lassen den Text mal einfach so stehen, fügen aber drei frei verfügbare Videos über den Polizeieinsatz mit bei. Man mache sich bitte selbst seine Gedanken – und auch, was im Gegensatz der Leipziger Oberbürgermeister postuliert hat. 

https://www.youtube.com/watch?v=_BtWvySjcmU

https://www.youtube.com/watch?v=SQI5oYxsz1w

https://www.youtube.com/watch?v=bTrAASDcbBw

https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen/leipzig/leipzig-leipzig-land/corona-demonstrationen-querdenken-polizei-100.html

https://www.blick.de/sachsen/update-polizei-hat-kontrolle-ueber-demo-in-leipzig-verloren-artikel11815569

Es sei noch als Information mitgeteilt, dass der Verfasser des Kommentars bekannt ist und der übliche Schreiberling hier auf der Seite tatsächlich einmal nicht vor Ort war. Hinzuweisen bleibt, dass bereits am 28. August 2021 von der AfD wenig an bekannten Gesichtern bei den Veranstaltungen in Berlin zu sehen war, eben nur der bereits im Kommentar erwähnte Karsten Hilse (MdB).

Woran liegt es? Ist die AfD vielleicht schon zu gesättigt, dass sie den Puls der Straße nicht mehr nötig hat? Sicherlich gab es im August andere Verpflichtungen, die Bundestagswahl stand schließlich auch noch vor der Tür. Jedoch so wenig Präsenz bei Massenaufläufen zu zeigen, ist bemerkenswert fahrlässig! Dies sollte allen Mandatsträgern zu Denken geben.

Die Bürger in Leipzig, Berlin, Stuttgart und in vielen anderen Städten Deutschlands wollen Antworten zur dauernden Coronakrise und deren Einschränkungen der Freiheit. Das bedarf nicht nur parlamentarischer Initiativen, auch die Straße muss mit viel mehr Gesichtern erreicht werden, als es bisher erfolgte!

Verantwortlich für den unteren Textteil: Maik Bialek, Vorstandsmitglied KV Wittenberg