Als “rasender Reporter” war der Verfasser dieser Zeilen gestern in Berlin wieder mittendrin, anstatt nur dabei. Neben der bereits auf Facebook veröffentlichten Bildstrecke nun der Versuch einer Einordnung. Natürlich ist mir bewusst, dass dies keine Vollständigkeit der verschiedensten verbotenen Aufzüge oder Kundgebungen sein kann. Dennoch kann es als “Correktiv” zur üblichen Berichterstattung der Presse angesehen werden.

Die ersten Reaktionen der Berliner Polizei gab es bereits vor dem Brandenburger Tor, da man dort wohl falsch gestanden hat. Allerdings war auch der Durchgang des Brandenburger Tores durch die Polizei abgesperrt, wo dann diese kleine Truppe ihren Platz hätte einnehmen sollen. Danke an dieser Stelle für die informativen Gespräche.

Es ging also weiter in Richtung Weberwiese, vorbei am Reichstag und dem Moloch ARD, alles aber noch vormittags ohne Probleme passierbar. Vorbei an skurillen Plakaten, nicht nur von SPD und CDU. Wobei die Berliner CDU auf unsere Deutschlandfarben gleich ganz verzichtet hat – was ein Armutszeugnis!

  

Festzustellen bleibt, dass die Polizei trotz des in der Presse angekündigten Einsatzes von über 4000 Beamten kaum Polizeipräsenz an vielen Straßen gezeigt hat. Ob dies nun an fehlender Kommunikation lag (der Hubschrauber war jedoch fast immer über den Köpfen der Teilnehmer), an Überforderung der Polizeiführung oder einfach nur an einer neuen Strategie vom roten Innensenator lag, kann ich nicht beurteilen. Die Aufzugsteilnehmer konnten sich zum Teil ungehindert auf den Straßen (auch den Hauptstraßen) bewegen und waren durchweg friedlich.

 

In den größeren Straßen hat es “besondere” Plakate und Banner gegeben, wie in den folgenden Beispielen belegbar. Es mache sich jeder selbst Gedanken über diese Forderungen aus der Berliner Elfenbeinturm …

   

Natürlich sind Aufzüge oder Kundgebungen für die Berliner nichts Ungewöhnliches, findet doch gefühlt fast täglich mind. eine solche Kampagne statt. Immerhin zeigten einige Fahrer ihre Unterstützung durch Hupen, was zum Beifall der Teilnehmer geführt hat.

   

In Alt-Moabit ging es dann weiter bis zu einer Brücke mit Polizeikontakt. Hier kam die Deeskalationsstrategie der Berliner Polizei eher nicht mehr so gut an, was auch Boris Reitschuster von der anderen Seite der Brücke so gesehen und in seinem Zusammenschnitt der Ereignisse vom 29. August 2021 dokumentiert hat.

    

Es wurde zwar ein Versuch der Teilnehmer unternommen, einen Durchbruch zu wagen – der mit reichlich Pfefferspray (zumindest für einige Unbeteiligte und Verursacher) auch schnell endete. Jedoch sieht eine Deeskalation anders aus, von Presse und Konfliktteams der Polizei in den üblichen gelben Western war nichts zu sehen. Solche Beamten kommen zwar in der Regel nur bei genehmigten Veranstaltungen zum Einsatz, was aber bei einem solchen langen Aufzug durchaus noch möglich gewesen wäre. Kleiner Hinweis an dieser Stelle: Bei solchen Aufzügen sollte man immer genügend Wasserflaschen und anders Material zum Schutz dabei haben. Meine Flasche hat jedenfalls ihren dankbaren Abnehmer zur Augenspülung gefunden.

  

Was mag der Berliner Polizist wohl gedacht haben, als er mit Helm und MNS darunter auf die Teilnehmer geschaut hat? Sicherlich sind die Ordnungshüter auch Bürger, wie die von der anderen Seite auch Bürger sind. Und sicher haben auch Polizisten Familie, Haus, Hof – und Kredite zu bedienen. Der Gruppenzwang macht den Rest und (hoffentlich) nur ein kleiner Teil neigt zu Prügelattacken oder anderen Ausfällen. Jedoch haben auch die Beamten eine Remonstrationspflicht gegenüber ihrem Dienstherren – dies sollte an dieser Stelle nicht vergessen werden.

 

Die Brücke war nun blockiert, dann ging es mit dem bekannten Katz-und-Maus-Spiel zurück. War eine Straße einmal eingenommen, rückten die Uniformierten schon an der nächsten größeren Kreuzung zur Blockade an. Leider war ein unkoordiniertes Verhalten der Teilnehmer festzustellen, was auch in diversen Chats bemängelt wurde. Es gab keine Führung, man konnte sich in mehrere Gruppen zerteilen – und die Polizei hatte Erfolg.

  

Letztendlich wurde auf die öffentlichen Verkehrsmittel ausgewichen, da andere Optionen im Sande verlaufen wären. Somit kam man doch noch ohne Schwierigkeiten am Potsdamer Platz an.

 

Hier war allerdings ebenfalls wieder ein differenziertes Bild zu beobachten. An der Kreuzung standen unterschiedliche Menschenmassen, die entweder nicht an der Veranstaltung der Partei Die Basis teilnehmen wollten – was zum Anfang vor der Polizeikette noch möglich gewesen wäre – oder man wollte halt auf seinem Standpunkt beharren, nur wozu?

   

Da die einzig genehmigte Versammlung durch die Polizei aufgelöst wurde, erfolgte (allerdings erst recht viel später) der Rückzug der Teilnehmer über von der Polizei vorgegebenen Straßen. Aber dort versuchte man erneut Katz und Maus zu spielen, so dass sich die Wittenberger in einem günstigen Moment absetzen und den Weg zum Hauptbahnhof ohne Probleme fortsetzen konnten. Vielen Dank an dieser Stelle an Kay, zu zweit ist es immer noch besser, als alleine unterwegs zu sein.

Bewegte Bilder gibt es natürlich von gestern hier als auch von heute dort zu finden.

Recht verhalten war allerdings die Präsenz von namhaften und bekannten AfD-Politikern. Einzig Karsten Hilse (MdB) konnte persönlich begrüßt werden, der zudem immer wieder bei den unterbrochenen Aufzügen zu sehen war. Wo war der Rest? Sicherlich stehen wir kurz vor einer entscheidenden Bundestagswahl, wo Plakate aufgehängt, Flyer verteilt, Kundgebungen stattfinden und Wahlkampfstände auf den Märkten und Plätzen zu sehen sein müssen. Jedoch hätte man an diesem Sonnabend mehr Gesicht von der AfD erwarten können. Die außerparlamentarische Opposition sollte deshalb nicht außer Acht gelassen werden, aber vielleicht war ich ja einfach nur mit meinem Blickwinkel in einem falschen Aufzugstross unterwegs?

Maik Bialek, Vorstandsmitglied KV Wittenberg